Online-Ratgeber der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium Famile, Senioren, Frauen und Jugend hier
Sozialberatung für Schuldnerinnen und Schuldner
In Deutschland sind rund 3,1 Mio. Haushalte überschuldet. Überschuldet ist ein Haushalt dann, wenn die regelmäßigen Zahlungen für Kredite, Ratenkäufe oder Versicherungen zusammen mit den regelmäßigen Ausgaben für Wohnen, notwendigem Lebensunterhalt und Energiekosten das regelmäßige Haushaltseinkommen überschreiten. Im Klartext heißt das: Die Ausgaben sind höher als die Einnahmen, die Schulden können nicht mehr vertragsgemäß zurückgezahlt werden.
Wer hilft?
Bei drohender oder bereits eingetretener Überschuldung hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Suchen Sie eine Schuldnerberatungsstelle auf. Auch wenn diese längere Wartezeiten haben, bekommen Sie dort in der Regel Hinweise, was Sie selbst vorbereitend tun können und die Wartezeit ohne zusätzliche Probleme überbrücken können. Die Adresse einer Beratungsstelle für Schuldnerinnen und Schuldner der Caritas im Bistum Mainz finden Sie auf dieser Seite.
Was kommt in der Beratung auf mich zu?
Gemeinsam mit einer/m kompetenten Beraterin oder einem Berater werden die Schulden zusammengestellt, die Probleme der Familie erfasst, um dann Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Nach der Entscheidung über das weitere Vorgehen und der Klarstellung der unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Beraterin/Berater und Schuldnerin/Schuldner werden Maßnahmen eingeleitet, mit dem Ziel, die materielle Existenz der Familie zu sichern, die Lebensqualität zu verbessern und nach einer gewissen Zeit der Familie zu ermöglichen, wieder an dem Wirtschaftskreislauf teilnehmen zu können. Dies mit mehr Finanzkompetenz und Vorsicht bei Abschluss von Kreditverträgen.
Leider werden Schuldnerberatungsstellen nicht bedarfsgerecht gefördert. So kommt es, dass es nicht genügend Schuldnerberatungsstellen gibt. Das Land Hessen hat sich sogar völlig aus der Finanzierung zurückgezogen. Deswegen müssen Sie mit einer längeren Wartezeit rechnen. Manche Beratungsstellen geben Hilfen, wie die Wartezeit möglichst ohne zusätzliche negativen Folgen überbrückt werden kann.
Wie kommt es zur Überschuldung?
In Überschuldung geraten Menschen unter Anderem, weil
- sich Lebenssituationen überraschend und einschneidend ändern können, in deren Konsequenz es zu einer Verringerung des monatlichen Haushaltseinkommens kommt (z. B. längerfristige Arbeitslosigkeit, Krankheit, Behinderung, Trennung oder Scheidung, unerwartete Schwangerschaft, unvorhergesehene Wohnungskündigung, Tod des verdienenden Partners oder Partnerin).
- Menschen versuchen über Ratenkäufe sich das Notwendige zu verschaffen, Löcher zu stopfen oder auch mal zu etwas zu kommen, was nicht zwingend notwendig ist. Schließlich sollen die Kinder in der Schule und will die Familie im sozialen Umfeld nicht auffallen. Für viele Menschen ist Ratenkauf die einzige Möglichkeit, sich etwas Größeres zu leisten (Fernsehgerät, Kleidung, Möbel etc.) Wenn dann zusätzliche unerwartete Kosten auftreten, weil zum Beispiel die Waschmaschine oder Fernsehgerät defekt wird oder das Auto repariert oder gar ersetzt werden muss, dann bricht sehr schnell die Planung zusammen: Die Rückzahlungsraten übersteigen das Einkommen.
- Menschen Verträge abschließen, deren Konsequenzen sie nicht erfassen (z. B. Bürgschaft). Gerade Ehefrauen unterschreiben oft Darlehensverträge ihrer Ehegatten und wundern sich, wenn sie die Gesamtschuld begleichen müssen (z. B. bei Zahlungsunfähigkeit des Ehegatten auch des ehemaligen Ehegatten).
- weil Menschen meinen alles haben zu müssen, was ihnen durch Konsum-Werbung angeboten wird.
Was sind die Folgen von Überschuldung?
Durch Überschuldung kommt die Familie in eine materielle Existenzkrise. Es ist kein Geld mehr da, um das Notwendigste zu bezahlen: Miete, Energiekosten, Lebensmittel. Da setzt man halt mal mit der Miete aus oder zahlt nur einen Teil. Statt der vollen Raten werden nur Teilbeträge an die Gläubiger bezahlt. Die Überraschung ist groß, wenn eine Wohnungskündigung ins Haus flattert und/oder infolge von Inkassogebühren, Zins und Zinseszins die Schulden nicht weniger werden, sondern sogar größer.
Im Gefolge dieser materiellen Existenzkrise kommt es meistens zu erhöhtem Stress innerhalb der Familie. Ehe- und Erziehungsprobleme häufen sich. Der tägliche Kampf um das "liebe" Geld beherrscht den Alltag. Konsequenzen sind: Gereiztheit, Streit, Trennung, Scheidung, Suchtverhalten, Gewalt usw.
Im sozialen Umfeld darf niemand wissen, wie es um die Familie bestellt ist. Nach außen wird, solange wie es nur irgend geht, das Gesicht gewahrt. Man geht lieber nicht mehr unter die Leute. Die Kinder besuchen nicht mehr ihre Schulfreunde, aus Angst, dass diese auch mal zu ihnen nach Hause kommen könnten und die "Armut" mitbekommen könnten oder weil sie mit den Freunden finanziell nicht mithalten können. Die Eltern meiden den Kontakt zu Verwandten und Freunden, weil die schwierige Situation nicht bekannt werden soll. Die Familie isoliert sich zunehmend und wird isoliert.
Überschuldete erleben sich oft als Versager. Ein unüberwindlicher Berg steht vor Ihnen. Sie sehen keine Chance, jemals wieder "normal" leben zu können. Die psychischen Folgen sind: Selbstzweifel, Isolierung, Verzweiflung, Depression, Krankheit etc.

